Auf einer Dose Saftpulver steht gern eine Zahl wie 24:1. Sie bedeutet: Für ein Kilogramm dieses Pulvers wurden vierundzwanzig Kilogramm frisches Gras gepresst. Beim Blattpulver wird dasselbe Gras nur getrocknet und vermahlen, aus dem Frischgras bleibt also ein deutlich größerer Anteil übrig.
Wer beides nebeneinanderlegt, findet im Handel Blattpulver für unter dreißig Euro je Kilogramm und für fast zweihundert — und Saftpulver, das trotz seines Konzentrationsverhältnisses im selben Preisbereich liegt wie einfaches Blattpulver. Diese Rechnung geht nicht auf. Irgendwo im Produkt steckt der Unterschied, und er steckt nicht im Verhältnis auf der Vorderseite. Darum geht es in diesem Artikel.
| Kurz gefasst Saftpulver entsteht durch Pressen, Filtern und Trocknen. Ein Vielfaches an Frischgras wird für dieselbe Menge Pulver benötigt. Wenn ein Konzentrat nicht mehr kostet als das unkonzentrierte Ausgangsprodukt, lohnt die Nachfrage, woran gespart wurde. Konzentrieren betrifft das ganze Material. Was drin ist, wird angereichert — nicht nur das Erwünschte. Ab der Pressung läuft die Oxidation. Wer sie mit Hitze stoppt, verliert die Enzyme — beides zugleich geht nicht. |
Der Rechentest, den Sie in dreißig Sekunden machen können
Nehmen Sie den Kilopreis des Saftpulvers, das Sie ansehen, und den Kilopreis eines ordentlichen Blattpulvers derselben Herkunft. Legen Sie das angegebene Konzentrationsverhältnis daneben.
Wenn für ein Kilo Saftpulver ein Vielfaches an Frischgras nötig ist, die zusätzlichen Schritte Pressen, Filtern und Trocknen dazukommen und das Ergebnis trotzdem nicht mehr kostet als das getrocknete Blatt derselben Fläche, dann stimmt an einer Stelle etwas nicht. Möglich ist vieles: günstigere Rohware, eine andere Anbauregion, ein Verhältnis, das großzügiger gerechnet wurde als es die Bilanz hergibt, oder ein Verarbeitungsschritt, an dem gespart wurde. Wir wissen nicht, welche dieser Erklärungen im Einzelfall zutrifft, und behaupten es auch nicht.
Was wir sagen können: Die Frage ist berechtigt, und ein Anbieter, der sie beantworten kann, tut es. Fragen Sie nach der Anbauregion, nach dem Trocknungsverfahren und nach der Temperatur. Drei Fragen, drei Zahlen, keine Adjektive.
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Was Konzentrieren wirklich bedeutet
Ein Konzentrat wird gern so beworben, als würde beim Einengen nur das Gute mitwandern. So arbeitet kein Verfahren.
Beim Entsaften wird die unlösliche Faser abgetrennt, alles Wasserlösliche bleibt im Saft und wird anschließend eingeengt. Das gilt für Mineralstoffe und wasserlösliche Vitamine — und ebenso für alles andere Wasserlösliche, das in der Pflanze war. Ein Pulver, das aus einem Vielfachen an Frischgras entsteht, bringt also auch das mit, was aus einem Vielfachen an Boden und Fläche stammt.
Deshalb ist die Herkunftsfrage bei einem Konzentrat wichtiger als bei einem Blattpulver, nicht unwichtiger. Wer konzentriert, muss die Fläche umso besser kennen. Was ein Bio-Siegel darüber aussagt und was nicht, haben wir getrennt aufgeschrieben.
Bei unserem Gerstengras liegen Analysen vor, und die geprüften Rückstände sind darin nicht nachweisbar — nicht knapp unterhalb eines Grenzwerts, sondern unterhalb der Nachweisgrenze. Möglich ist das, weil auf diesen Flächen nie Pestizide und nie Gülle ausgebracht wurden, nicht erst seit einer Bio-Umstellung. Das ist einer der Gründe, warum unser Pulver mehr kostet als Ware vom unteren Ende der Preisskala.
Das Dilemma nach dem Pressen
Hier liegt der Punkt, den kein Saftpulverhersteller wegargumentieren kann, und er wird in keiner Produktbeschreibung erwähnt.
Solange das Blatt unversehrt ist, sind seine Zellen geschlossen. Beim Pressen werden sie zerstört, und dabei wird unter anderem Polyphenoloxidase freigesetzt — ein Enzym, das mit Luftsauerstoff reagiert und Polyphenole sowie Vitamin C oxidieren lässt. Dieser Vorgang beginnt in dem Moment, in dem der Saft aus der Presse läuft, und er läuft ohne Zutun weiter. Besonders betroffen sind chlorophyllhaltige, also grüne Ausgangsstoffe.
Wer das aufhalten will, hat in der Lebensmitteltechnik einen üblichen Weg: erhitzen. In der Saftherstellung wird der Saft nach kurzer Zeit pasteurisiert, um die enzymatische Aktivität zu stoppen, weil Enzyme mit zunehmender Hitze deaktiviert werden. Das funktioniert — es kostet aber genau die Enzyme, mit denen grüne Pulver beworben werden.
Damit steht jeder Saftpulverhersteller vor einer Entscheidung, die er nur verlieren kann. Entweder er lässt die Oxidation zwischen Pressung und Trocknung laufen, oder er stoppt sie mit Wärme. Beides geht nicht. Wie lange der Saft tatsächlich unterwegs ist und was in dieser Zeit passiert, steht auf keiner Dose.
Ein getrocknetes Blatt hat dieses Problem nicht. Seine Zellstruktur bleibt bis zur Vermahlung intakt, und vermahlen wird trockenes Material, nicht saftendes. Das ist auch der Grund, warum wir dazu raten, unser Pulver anzurühren und dann zu trinken, statt es morgens in die Flasche zu geben und über den Tag zu verteilen. Dieselbe Reaktion, die im gepressten Saft abläuft, startet im Glas, sobald das Pulver im Wasser ist.
Der Widerspruch in den Verzehrempfehlungen
Etwas, das uns seit Langem auffällt und das kaum jemand anspricht.
Saftpulver wird als hochkonzentriert beworben, oft mit einem Verhältnis im zweistelligen Bereich. Auf derselben Dose steht dann eine Verzehrempfehlung, die sich kaum von der eines gewöhnlichen Blattpulvers unterscheidet — teils mehrere Teelöffel täglich.
Beides zusammen ergibt keinen Sinn. Wenn ein Produkt tatsächlich um ein Vielfaches konzentriert ist, müsste die empfohlene Menge entsprechend kleiner ausfallen, nicht gleich bleiben. Entweder ist das Konzentrat weniger konzentriert, als die Zahl auf der Vorderseite nahelegt, oder die Verzehrempfehlung folgt weniger der Rechnung als dem Wunsch, dass die Dose zügig leer wird.
Wir behaupten nicht zu wissen, welches von beidem im Einzelfall zutrifft. Wir empfehlen nur: Halten Sie das Konzentrationsverhältnis und die Verzehrempfehlung nebeneinander. Wenn sie sich widersprechen, hat das einen Grund.
Das Löslichkeitsargument — und warum es bei uns nicht greift
Der häufigste Punkt, mit dem Saftpulver beworben wird, lautet: Es löst sich besser. Das stimmt im Vergleich zu vielen Blattpulvern, und es ist ein echter Vorteil — wer sein Pulver wegen der Textur nicht trinkt, hat nichts davon.
Der Grund dafür ist allerdings nicht das Entsaften, sondern die Feinheit. Und die lässt sich auch ohne Entsaften erreichen. Unser Gerstengras ist auf unter 25 Mikrometer vermahlen. Der sandige Eindruck im Mund, den viele von günstigem Graspulver kennen, entsteht durch grobe Vermahlung — sie ist der teuerste Verarbeitungsschritt und deshalb der erste, an dem gespart wird.
Damit verschiebt sich die Frage. Sie lautet nicht „Saft oder Blatt“, sondern „fein oder grob“. Ein grob vermahlenes Blattpulver ist unangenehm, da hilft auch die beste Fläche nichts. Ein sehr fein vermahlenes Blattpulver löst sich unauffällig und behält gleichzeitig alles, was im Blatt war.
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Was beim Entsaften mit der Verarbeitung passiert
Ein Saft lässt sich nicht an der Luft trocknen. Er muss zerstäubt oder gefroren werden, und in der Praxis heißt das meistens Sprühtrocknung: Die Flüssigkeit wird in einen heißen Gasstrom gesprüht und verdunstet in Sekunden. Manche Anbieter arbeiten mit niedrigeren Temperaturen und weisen das aus, viele nennen die Temperatur gar nicht.
Für uns ist das der eigentliche Einwand gegen die Produktform. Wir trocknen unser Blattpulver an der Luft bei unter 40 Grad, langsam, ohne das Blatt vorher aufzuschließen. Wer entsaftet, hat diese Möglichkeit nicht mehr — er muss einen Weg wählen, der mit Hitze oder mit Frost arbeitet. Das ist keine Nachlässigkeit des Herstellers, sondern eine Folge der Produktentscheidung. Ausführlich steht das im Beitrag zu den Trocknungsverfahren.
Dazu kommt der Zeitfaktor: Ein gepresster Saft ist ab dem Moment der Pressung empfindlich und muss zügig weiterverarbeitet werden. Das getrocknete Blatt ist es nicht. Wie gut ein Saftpulver ist, hängt deshalb stärker an einer Prozesskette, die man von außen nicht beurteilen kann.
Warum wir kein Saftpulver führen
Wir hätten es anbieten können. Die Gründe dagegen sind dieselben, die für unser Sortiment insgesamt gelten.
Wir wollen ein Produkt verkaufen, das dem entspricht, was auf der Fläche gewachsen ist, mit so wenigen Schritten dazwischen wie möglich. Beim Saftpulver sind es mindestens vier: pressen, filtern, konzentrieren, trocknen. Bei uns sind es zwei: trocknen, mahlen. Jeder zusätzliche Schritt ist eine Stelle, an der etwas passieren kann, und eine Stelle, an der wir uns auf jemand anderen verlassen müssten.
Dazu kommt die praktische Seite. Wir führen ein kleines Sortiment und wollen, dass Ware zügig abverkauft wird, statt im Lager zu altern. Dieselbe Überlegung hat dazu geführt, dass wir auch Weizengras nicht mehr führen.
Die fünf Fragen, die beide Produktformen beantworten müssen
- Wie ist das Konzentrationsverhältnis, und passt die Verzehrempfehlung dazu?
- Welches Trocknungsverfahren, bei wie viel Grad? Eine Zahl, keine Beschreibung wie „schonend“.
- Welche Anbauregion, und was war vor der Bio-Umstellung auf der Fläche?
- Liegen Analysen vor, und was steht darin — knapp unter dem Grenzwert oder unterhalb der Nachweisgrenze?
- Wie fein ist vermahlen? Das entscheidet über die Textur, nicht die Produktform.
Wer auf diese fünf Fragen fünf Antworten bekommt, kann selbst entscheiden. Wer auf drei davon ein Adjektiv bekommt, weiß auch etwas.
Häufige Fragen
Was ist Gerstengras Saftpulver?
Der gepresste, gefilterte und anschließend getrocknete Saft des jungen Gerstenblatts. Die unlösliche Faser wird dabei abgetrennt.
Ist Saftpulver besser als Blattpulver?
Es ist konzentrierter, was nicht dasselbe ist. Konzentriert wird alles Wasserlösliche, auch das, was man nicht möchte. Entscheidend sind Fläche, Verarbeitung und Vermahlung, nicht die Produktform.
Warum kostet Saftpulver oft nicht mehr als Blattpulver?
Das ist die Frage, die sich jeder Käufer stellen sollte. Rechnerisch müsste ein Konzentrat deutlich teurer sein. Ist es das nicht, lohnt die Nachfrage nach Herkunft und Verarbeitung.
Löst sich Blattpulver schlechter?
Das hängt an der Vermahlung, nicht an der Produktform. Grobes Pulver klumpt und fühlt sich sandig an. Unser Gerstengras ist auf unter 25 Mikrometer vermahlen.
Brauche ich beides?
Nein. Ein vollständiges, fein vermahlenes Blattpulver deckt ab, wofür die meisten Menschen Gerstengras kaufen.
Warum führt ihr kein Saftpulver?
Weil wir das Blatt mit so wenigen Verarbeitungsschritten wie möglich anbieten wollen und unser Sortiment bewusst klein halten.
Zum Schluss
Konzentrate haben etwas Überzeugendes: eine Zahl auf der Dose, die nach Aufwand klingt. Der Aufwand muss aber irgendwo bezahlt werden, und wenn der Preis ihn nicht abbildet, hat ihn jemand anderes getragen — meistens die Rohware. Rechnen Sie einmal nach, bevor Sie kaufen. Bei uns genauso.
Weiterlesen
- Bio Gerstengras: der Überblick — https://www.semenvitae.de/wissen/bio-gerstengras/
- Luft, Gefrier, Sprüh: wie die Trocknung ein Pulver verändert — https://www.semenvitae.de/wissen/trocknungsverfahren/
- Woran man gutes Gerstengraspulver erkennt — https://www.semenvitae.de/wissen/gerstengras-qualitaet-woran-du-gutes-pulver-erkennst/
- Gerstengras oder Weizengras — https://www.semenvitae.de/wissen/gerstengras-oder-weizengras/
- Was ein Bio-Siegel nicht abdeckt — https://www.semenvitae.de/wissen/bio-siegel-grenzen/
- Gerstengras im Shop — https://www.semenvitae.de/shop/bio-gerstengras-pulver/
Quellen
- Beispiel einer Konzentrationsangabe im Handel: 24 kg frisches Gerstengras ergeben 1 kg Saftpulver. — https://www.derklosterladen.com/products/kopie-von-gerstengrassaftpulver-100g-200g-600g
- Zur Herstellung von Saftpulver: Pressen, Abtrennen der Faserbestandteile, anschließende Trocknung. — https://dailynature.com/pages/inhaltsstoff-gerstengras
- Zur Einordnung des Ballaststoffgehalts: bei Saftpulver ist ein großer Teil der unlöslichen Faser bereits entfernt. — https://nurisan.de/ratgeber/pflanzenkunde/gerstengras-macht-alltag-gruener/
- TU Hamburg, Exkurs Saftherstellung: enzymatische Oxidation der Polyphenole nach dem Pressen; Pasteurisieren stoppt die Enzymaktivität. — https://www3.tuhh.de/kniffelix/exkurs-saftherstellung/
- Zur Freisetzung von Polyphenoloxidase beim Pressen und zur Oxidation von Polyphenolen und Vitamin C. — https://utopia.de/ratgeber/warum-luft-orangensaft-nicht-guttut_664927/
Ich bin mit SemenVitae aufgewachsen. Meine Eltern gründeten das Unternehmen vor über 20 Jahren mit der Überzeugung, dass natürliche Mineralien und Vitalstoffe in ihrer ursprünglichen Form wirksamer sind als synthetische Alternativen. Diese Überzeugung habe ich von klein auf mitbekommen, selbst erprobt und inzwischen zu meinem eigenen Antrieb gemacht.
Heute führe ich SemenVitae weiter, mit demselben Anspruch an Qualität und Transparenz. Ich ernähre mich selbst konsequent bewusst, treibe regelmäßig Sport und teste alles, was wir anbieten, im eigenen Alltag. Nebenberuflich bin ich Feuerwehrmann, was mich täglich daran erinnert, wie viel der Körper leisten kann, wenn er richtig versorgt wird.
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